60’er

Chronik           90ér              80ér             70ér                 60ér                      50ér


Fahrten zweite Hälfte der 50er/Anfang der 60er Jahre

Die jährliche Großfahrt war auch zu dieser Zeit (noch) der jährliche Höhepunkt für alle.

Gegenüber dem Anfang der 50er Jahre war diese Zeit jedoch immerhin schon deutlich geprägt von zwei Entwicklungen im gesamtgesellschaftlichen Bereich der Bundesrepublik:

* Zum einen die deutliche Zunahme der Motorisierung: einige unserer Eltern fuhren bereits regelmäßig mit dem eigenen Auto in Urlaub.

* Zum anderen erfolgten Reisen zunehmend auch ins benachbarte Ausland (vornehmlich Österreich und Norditalien) und sprengten den bisherigen Rahmen (Sauerland, Harz, Spessart, Ost- oder Nordsee u.ä.).

Zunehmende Motorisierung machte wohl auch die Tramperei attraktiver, allgemein, aber eben auch – und wenn es nicht anders ging – für uns Pfadfinder. Die Ziele unserer Fahrten blieben allerdings auch in dieser Zeit nahezu durchweg noch innerhalb der „heimischen Grenzen“.

Trotz dieses sich abzeichnenden Wandels:

Eine Sippe, die ihre Großfahrt plante, nutzte im Wesentlichen die gleichen Fortbewegungsmittel, wie sie Anfang der 50er Jahre – unter damals noch erheblich eingeschränkteren wirtschaftlichen Verhältnissen – üblich waren: also in erster Linie das Fahrrad oder die eigenen Füße in Verbindung mit dem Zug zur Überwindung größerer Distanzen.

So erinnere ich gut eine Großfahrt unserer Sippe in den Spessart und nach Franken im Jahre 1957 oder 1958: zur Anfahrt benutzten wir den Zug bis Hanau, marschierten von dort mit Affen, Kochpott, Klampfen und Wimpel durch den Spessart, schmückten für einige Tage die Burg Rieneck mit unserer Kohte, erreichten schließlich Karlstadt am Main, bauten außerhalb der Stadt unsere Kohte auf, suchten am nächsten Tag nach einer Transportmöglichkeit auf dem Main nach Würzburg, fanden eine solche auf einem Flusskahn, und traten von Würzburg aus am Ende die Heimreise per Autotramp an, wozu wir uns allerdings auftrennen mussten. Trotz einer zusätzlichen Belastung durch den mit zu schleppenden verrußten Kochpott, ging die Heimreise für alle erstaunlich gut vonstatten!

Die Wochenendfahrten und –lager in den Zeiträumen davor dienten einer soliden Vorbereitung einer solchen Großfahrt. Hier konnte man das theoretische Wissen um die richtigen Knoten am richtigen Objekt in die Praxis umsetzen: für die Errichtung der Kohte, für den Dreibock, an dem später der Kochtopf hing. Auch wollte hier das Feuer machen ohne Feuerzeug und Papier und das richtige Packen des Affen sowie das „Umrollen“ des Affen mit Schlafsack (so vorhanden) und Kohtenbahn erlernt sein. Als treffliche „Richtschnur“ für einen richtig gepackten Affen war im Geiste der rechte Winkel vorgegeben: Alles was über dem Affen schief hing, verlangte Korrektur!

Weiter galt: keinerlei Unterlagen (Luftmatratzen o.ä.) für das nächtliche Lager; gesammelte Tannenzweige dienten als einzig erlaubte „Abschottung“ zum Erdboden. Überhaupt waren die Umstände einer Fahrt von einem gewissen Hang zum Spartanischen bestimmt: Alles was überflüssig war – und das war fast alles – musste zu Hause gelassen werden. Gegebenenfalls wurde Überflüssiges unterwegs eingesammelt, in ein Paket gepackt und an eine elterliche Adresse zurückgeschickt.

Auch für die Art der Übernachtung galt das Prinzip von Autarkie und Einfachheit: Jugendherbergen waren mehr oder minder verpönt. Man hatte als Sippe seine Kohte, und die war gefälligst zu benutzen, entweder als Gesamtaufbau oder in Form einzelner „Lokomotiven“. Wenn sich der Aufbau einer Kohte als schwierig oder unmöglich gestaltete – wegen des dazu gehörigen offenen Feuers musste oder sollte zuvor der jeweilige Förster befragt werden – oder wenn es stunden- oder tagelang geregnet hatte (das Regenwasser hatte keinerlei Respekt vor einer aufgebauten Kohte und den darin befindlichen Menschen) fragte man einen Bauern nach seinem Heuboden, den man dann mit Mäusen und anderem Getier teilen durfte! Dafür war dem Bauern ein morgendlicher Abschied mit Klampfe und Gesang gewiß!

Ganz allgemein lässt sich rückschauend sagen: Das Vertrauen der Menschen, die wir unterwegs trafen, deren Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit waren zum Teil enorm. Dies läßt sich auch für die Bereitschaft von Autofahrern sagen, uns als vagabundierende Tramper mit Affen, Kochtopf und Klampfe sowie Wimpel in ihrem Auto ein kurzes oder langes Stück mitzunehmen.

Sicher wurde diese Situation begünstigt durch den Umstand, dass wir als Pfadfinder (oder zumindest als Angehörige einer organisierten Jugendgruppe) erkennbar waren und insoweit gewissermaßen einen Vertrauensvorschuß mit uns trugen. Das Bild von organisierten Jugendgruppen – in Kluft, kurzen Lederhosen und mit Gepäck und Wimpel – gehörte damals zu einem vertrauten Anblick, insbesondere in der Ferienzeit. Dies verhinderte allerdings nicht, dass sich derartige Jugendgruppen untereinander durchaus mit einem gewissen Misstrauen begegneten, gab es doch nicht nur die unterschiedlichsten miteinander konkurrierenden Zugehörigkeiten (drei verschiedene Pfadfinderbünde, den CVJM und unterschiedlichste Wandervogelverbände und Jugendbünde) sondern vor allem auch die ständige latente Sorge des nächtlichen „Wimpelklaus“ durch eine andere Gruppe – egal welcher couleur – , der man im Laufe des Tages begegnet war.

Eine Fahrt – und insbesondere eine Großfahrt – bedeutete für jeden einzelnen von uns: sich während einiger Tage oder drei Wochen Abwesenheit von zu Hause „bewährt“ zu haben, manches Mal am Rande seiner Kräfte stehend, erschöpft und wahrscheinlich auch reichlich verdreckt gewesen zu sein, einige große und viele, viele kleine prägende Eindrücke gehabt und Erfahrungen gemacht zu haben, das Fernsein von Zivilisation „genossen“ zu haben, die Lagerromantik, der Geruch des täglichen Lagerfeuers, der fast zum Bestandteil der eigenen Person wird und den man – nach Hause zurückgekehrt – schmerzlich vermisst!

Insoweit waren die damaligen Erwartungen und die sich daran anschließenden Erfahrungen sicherlich noch stark von Elementen der bündischen Jugend geprägt, die sich wohl erst im späten Verlaufe der 60er Jahre und unter dem Einfuß der entstehenden Beat-Kultur und anderer Entwicklungen auflösten oder neu orientierten.

Erinnerungen an das 11. Weltjamboree 1963 in Griechenland

Wenn ich jetzt nach vielen Jahren gefragt werde, was ich aus meiner Pfandfinderzeit noch in besonderer Erinnerung habe, gehört dazu vor allen Dingen meine Fahrt vor fast genau vierzig Jahren zusammen mit „Gemsi“ (Wolfgang Grimme), „Schummi“ (Rainer Schuhmann) und Johannes Högemann (Spitzname unbekannt) zum 11.Weltjamboree 1963 nach Griechenland. Dies gilt insbesondere, weil mit dieser Reise (zudem meiner ersten Reise ins Ausland) unvergessliche Eindrücke sowohl von einem fremden und interessanten Land und seinen Einwohnern als auch von dem Zusammentreffen mit Pfadfindern aus verschiedenen Nationen und Kulturkreisen verbunden sind. Ich habe von dieser Fahrt einige Erinnerungsstücke (verschiedene Abzeichen, Fotos, mein Logbuch und ein, allerdings unvollständiges Tagebuch) zurückbehalten, bei deren Betrachten die Erinnerung an diese Fahrt wieder lebendig wird.

Wir hatten uns für diese Fahrt mit Pfadfindern aus Cuxhaven, Loxstedt und Osterholz–Scharmbeck zu der Sippe „Waschbären“ zusammen getan und uns in einem besonderen Lager auf die Fahrt vorbereitet. Dazu gehörte insbesondere das Üben des Zeltaufbaus. Denn wir nahmen auf die Fahrt nicht die uns vertrauten Kohten mit, sondern größere Jurten aus leichten Zeltbahnen, die wegen des zum Zeitpunkt des Jamborees zu erwartenden Sommerwetters geeigneter erschienen.

Beeindruckend für mich, weil langwierig und aufregend, war dann schon die Anreise nach Athen und später nach Marathon zum eigentlichen Jamboree. Wir fuhren am Abend des 23.7.1963 zusammen mit unserem Maskottchen „Fitti“, einem Gartenzwerg, den wir später im Pfadfinderlager unserem Lagerchef als Gastgeschenk überreichten, zunächst nach Düsseldorf und von dort zusammen mit allen für das Jamboree eingeladenen Pfadfindern aus Deutschland in einem Sonderzug nach Brindisi. Von dieser fast zweitägigen Fahrt ist mir besonders in Erinnerung, das wir wegen des heißen Klimas, das vor allen Dingen in Italien herrschte, unter Wassermangel litten und Mühe hatten, während der kurzen Aufenthalte auf Bahnhöfen etwas Trinkbares zu erhaschen. Dies führte dazu, dass einmal eine Gruppe von Pfadfindern – zum Glück nicht wir – den abfahrenden Zug nicht mehr erreichte. Ob diese Gruppe dann später auf anderem Weg unseren Zug oder den Zielbahnhof in Brindisi ereichte, kann jetzt nicht mehr erinnern. Auf jeden Fall waren wir froh, dass wir am Abend des 25.7.1963 ausgedörrt, aber wohlbehalten Brindisi erreicht hatten und auf eine komfortable Fähre umsteigen konnten. Auf dieser Fähre, die uns nach Patras brachte, konnten wir uns endlich richtig waschen und während der Nacht, die wir auf Flugzeugsesseln auf dem Observationsdeck verbrachten, unsere Beine ausstrecken. Von Patras ging es dann mit dem Bus nach Athen, wo wir zunächst vor dem Jamboree, das offiziell am 1.8.1963 eröffnet wurde, einige Tage verbrachten.

In Athen waren wir in einer pädagogischen Akademie untergebracht, wo wir allerdings unter einer schlechten Verpflegung litten. Von dort aus starteten wir verschiedene Besichtigungstouren in die Stadt. Dabei ist mir besonders der Aufstieg in der Mittagshitze zur Akropolis und eine Fahrt nach Piräus in Erinnerung. Dort wurden uns im Hafenviertel „nice girls“ angeboten, mit denen wir den Abend verbringen sollten. Dieses Angebot haben wir schon aus finanziellen Gründen dankend abgelehnt, wobei ich allerdings jetzt nicht mehr sagen kann, wie viel Taschengeld wir zur Verfügung hatten. Auf jeden Fall reichte es nicht für größere „Anschaffungen“. Der Aufenthalt in Athen wurde noch von einer Fahrt nach Delphi unterbrochen, die sowohl von der Landschaft her, durch die wir fuhren, als auch wegen des Besuchs der heiligen Quelle beeindruckend war. Auf dieser Fahrt konnten wir nach langer Zeit ein richtiges Mittagessen in einem Restaurant genießen.

Am 30.7.1963 ging es dann endlich nach Marathon zum Jamboree. Davon, dass wir uns auf geschichtlichem Boden, der Schlacht von Marathon, befanden, war allerdings nichts zu sehen. Das riesige Lager für 14.000 Pfadfinder befand sich an der Mittelmeerküste in einer unbebauten, sandigen mit Pinienwäldern durchzogenen Ebene und war in zahlreiche Unterlager (Subcamps) aufgeteilt. Uns wurde ein Platz im sogenannten „Subcamp Leontis“ zugewiesen, wo wir sofort mit dem Aufbau der Zelte und anderer Lagerbauten begannen. Der Höhepunkt dieser ersten Eingewöhnungsphase war ein Bad in der Ägäis, bei dem wir den Schweiß und den Staub von dem Lageraufbau abspülen konnten. Auch später gehörte dieses fast tägliche Meerbad zu einer willkommenen Erfrischung von der Hitze, die uns zu schaffen machte. Mit einer großen Eröffnungszeremonie am Abend des 1.8.1963, bei der sich alle Teilnehmer in einem extra errichteten „Amphitheater“ versammelten und die von einem Feuerwerk beendet wurde, begann dann das eigentliche Lagerleben. Die folgenden Tage waren mit der Erkundung des gesamten Lagers, verschiedenen Lagerspielen und vielen offiziellen und spontanen Begegnungen mit Pfadfindern aus verschiedenen Nationen ausgefüllt. Erwähnenswert von den ersten Tagen des Jamboree ist ein Reklamefoto für die Firma „Gillette“, das mich mit Rasierschaum im Gesicht in Assistenz von „Gemsi“ und „Schummi“ zeigt. Dieses Foto wurde sozusagen im Rahmen des Sponsoring für das Jamboree aufgenommen. Dazu gehörte auch Briefpapier, das einen Werbeaufdruck von Pepsi–Cola trägt. Daneben erinnere ich mich besonders an das sogenannte „Wide Game“, ein Kennenlernspiel, bei dem es darauf ankam in möglichst kurzer Zeit eine Gruppe aus Pfadfindern aus elf verschiedenen Nationen zusammen zu bekommen. Leider gehörte die Gruppe, zu der ich gehörte, nicht zu den aller ersten, so dass wir nicht einen der ausgelobten Preise bekamen. Es gab auch verschiedene sportliche Wettkämpfe, angefangen von dem „Labcup of Hercules“, einem Pfadfinderlauf über Hindernisse, über einen leichathletischen Triathlon bis zu verschiedenen Basketballspielen. Nach diesen körperlichen Anstrengungen während des Tages waren die Abende gemütlichen Treffen mit verschiedenen Pfadfindergruppen am Lagerfeuer vorbehalten, bei denen viel gesungen und erzählt wurde. Einer geistigen und seelischen Erholung dienten die verschiedenen Bibelarbeiten in unserem Lager sowie ein Abendmahlsgottesdienst aller Christlichen Pfadfinder unter freiem Himmel in einem Pinienwald und ein protestantischer Gottesdienst für Pfadfinder aus allen Nationen. Ab und zu hatten wir auch Zeit, ins sogenannte „Greek village“ zu gehen. Dieses bestand aus mehreren Buden und Zelten und diente uns insbesondere dafür, eine Abwechselung von der Lagerkost zu bekommen. Zu den Höhepunkten des Jamborees gehörte auch die Parade aller Pfadfinder des Lagers vor dem griechischen König am 6.8.1963 und der Besuch des damaligen griechischen Kronprinzen, der der Chef der griechischen Pfadfinderbünde war, in unserem Unterlager. Im nachhinein betrachtet waren diese Ereignisse von gewisser geschichtlicher Bedeutung. Denn der griechische König und der Kronprinz mussten wenige Jahre nach dem Jamboree nach einem Militärputsch im Jahr 1967 und der danach vollzogenen Abschaffung der Monarchie ins Exil gehen. Wir hatten daher die Gelegenheit, die letzten Repräsentanten der griechischen Monarchie live zu erleben. Nach erlebnisreichen Tagen, die wie im Fluge vergingen, ging das Jamboree nach zwei Wochen mit einem großen Abschiedsfest in dem „Amphitheater“ und einem großen Feuerwerk zu Ende.

Den Abschluss der Fahrt zu dem Jamboree bildet dann noch eine mehrtätige Ausflugsreise per Bus zu den historischen Stätten von Olympia, Mykene und Sparta. Bei den Besichtigungen der Baudenkmäler der Antike konnten wir uns von den anstrengenden Tagen während des Jamborees erholen und davon Abstand gewinnen. Schließlich fuhren wir nach gut vier Wochen auf dem selben Weg wie auf der Hinfahrt über Patras und Brindisi nach Deutschland zurück. Diese Rückfahrt ist mir in wenig guter Erinnerung. Denn ich handelte mir am letzten Tag in Griechenland noch einen Magen – und Darmvirus ein, an dem ich auf der Rückfahrt zu leiden hatte. Wir kamen dann aber, an den genauen Tag kann ich mich jetzt nicht erinnern, wohlbehalten in Oldenburg an.

Der Glaube als Geschenk

Christliches in den 60er Jahren

Auszug aus dem Sippenbuch der Mungos, 9.7.1962:

„…nun zum Spätnachmittag, und damit zum ernsteren Teil des Tages. Um 17.45 Uhr begannen wir mit einer Bibelarbeit über Markus 2,16-17, von Dieter gehalten. Dabei wurde klar, daß wir immer wieder den Brückenschlag machen müssen von dem Ereignis im Texte hinüber in unsere Gegenwart. Wir müssen den Zöllner in diesem Bericht sehen als Menschen, der mit der damaligen Besatzungsmacht, also den Römern, sympathisierte und sich dadurch, verständlicherweise, bei seinen Landsleuten äußerst unbeliebt machte. Christus jedoch sagte, „ja“ zu diesem Menschen, der von den meisten wohl schon nicht mehr als vollwertig angesehen wurde. Entsprechend ist ja heute noch die Situation, auch in unseren Gemeinden, hier handelt es sich dann vielleicht um gesellschaftliche Schranken (gebildete und weniger gebildete Menschen), die zu überwinden sind, oder um die geistig-seelisch Kranken (sind wir das nicht fast alle?), denen geholfen werden muss. Wir können dieses Trennende aber nur überwinden, wenn wir das Ja Christi zum sehen, der damit an uns die Forderung stellt, ebenfalls „ja“ zu sagen zu Menschen, die uns persönlich nicht sympathisch sind (und wie viele gibt es davon!), damit also das gesagt zur Tat werden zu lassen. Nur durch diese Ja Jesu Christi schließlich erhalten wir unseren Lebenssinn, daß uns nämlich Christus als den Menschen akzeptiert hat, der sich in einer völlig absurden Welt (drohende Gefahr der Selbstvernichtung durch A.-Bombe, zum Beispiel) immer mehr isoliert hat, immer stärker der Verzweifelung hingegeben hat (geistig-seelische Krankheit, Sünde!). Damit wäre vielleicht in wenigen Worten das Wesentliche in diesem Text gesagt. Darüber hinaus wurden jedoch von den jungen noch einige recht interessante Fragen gestellt. Es tauchte z.B. das Problem auf, welcher Mensch Christ ist, und wer kein Christ ist(d.h. wer glaubt und wer nicht glaubt). Wir können zwar sagen, ein Mensch ist dann Christ, wenn er an Jesus Christus als den Auferstandenen glaubt, aber wir können kein Urteil darüber ablegen, ob dieser Mensch ein guter oder ein schlechter Christ ist. Diese Entscheidung liegt allein bei Christus. Wir müssen immer daran denken, daß der Glaube letztlich ein Geschenk ist und nichts erarbeitetes, das man eventuell vorzeigen und bewerten könnte. Eine andere Frage lautete, warum das Christentum allein „richtig“ sein soll, wo es doch noch soundsoviel andere Religionen gibt (Buddhismus, Mohammedanismus, Kommunismus (!)), die dasselbe auch von sich behaupten. Zuerst muß man betonen, daß Buddhismus usw. zwar eine Religion, d.h. die Bindung des Menschen an „etwas“ ist (der Mensch macht sich eine Vorstellung von Gott, er fertigt sich Ideen an), daß aber das Christentum das Angebot Gottes an den Menschen ist (der Mensch wird also von Gott angesprochen). Die Vielzahl der Religionen liegt in der Freiheit des Menschen begründet, selbständig Entscheidungen zu treffen (natürlich spielen hier auch historische Gründe mit hinein). Für den Christen, der sich für Christus entschieden hat, sollte es immer klar sein, daß er deshalb Christ ist, weil das Christentum nicht nur eine große Lehre von guten Sitten usw. ist (vergl. Buddhismus usw.!), sondern weil der Kernpunkt des Christentums der Erlösungsglaube ist, weil Christus den innerlich leeren und verzweifelnden Menschen (vergl. Buddhismus) ein Angebot gemacht hat, nämlich dem Leben des Menschen einen Sinn, ein Ziel zu geben (durch seine Auferstehung), einen Sinn, der unser Leben (wenn es auch noch so ausweglos erscheint) ein für allemal gerechtfertigt hat. Der Buddhismus, Mohammedanismus usw. jedoch rechtfertigen nicht, sondern zeigen nur, wie man das Leben überwindet. – Zum Abschluß dieser Bibelarbeit sangen wir das Lied „Jesus Christus, König und Herr“. – Damit möchte ich auch den Bericht über diesen Tag abschließen.“

Matschi

(Dieter Matthey)

Advertisements