70’er

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Fahrtenkultur in den 70er

Wie fängt man jetzt am Besten an? So geht es immer wieder, wenn man einen Bericht oder Brief oder auch nur eine Notiz schreiben will. Also nun versuche ich das einfach mal. So einfach aus meiner Sicht und nur die wenigen Jahre, die ich dabei war, aber die für mich einfach unvergesslich sind.

Anfang der 70er Jahre wollte mein Bruder Berthold eine Pfadfindergruppe gründen. Er überlegte sich, dass Kinder und Jugendliche, die ungefähr in der 3. oder 4. Klasse sind, die richtige Altersgruppe haben, mit denen man das Pfadfinderleben lernen, lieben und ausführen könnte. Mein Bruder selber ist schon seit seinem 8. Lebensjahr Pfadfinder und das nach 42 Jahren (also heute) immer noch mit Leib und Seele.

Also fertigte er Einladungen an und lud ein zu einer Pfadfindergruppe im evangelischen Gemeindezentrum in Oldenburg Nadorst . (Leider liegt kein Original dieser Einladung vor).

Diese Einladungen wurden von Berthold in der Schule am Eßkamp – mit Erlaubnis des Direktors Petrich (der schon Bertholds Direktor war) – während des Unterrichts verteilt.

Es kamen Kinder und es kamen immer mehr Kinder, die ihre jüngeren und auch älteren Geschwister mitbrachten. In den besten Zeiten hatten wir Gruppenstunden mit bis zu 60 Kindern und Jugendlichen, und in den schlechtesten Zeiten waren es immer noch bis zu 20. Also wirklich eine riesige Truppe.

Berthold lehrte uns alle Pfadfinder-Knoten und übte diese auch immer wieder. Es wurde aus seinen früheren Gruppenstunden erzählt und Anregungen aus diesen Erzählungen geholt für weitere gemeinsame Stunden. Er überlegte sich für jede Gruppenstunde, was er spielerisch zum Zusammengehörigkeitsgefühl beitragen konnte.

Wir spielten „Rippel-Tippel“, „Mein rechter Platz ist frei“, „Der Plumpsack geht um“, „Rate-, Frage- und Antwortspiele“, es wurde ein Tonbrennofen und Ton organisiert und wir konnten irdene Tiere oder Gefäße formen, die dann sogar gebrannt wurden. Emaile-Broschen (Neiiiin!!! Nicht E-Mail-Broschen – das gibt’s ja gar nicht) wurden gebastelt und gebrannt. All diese Beschäftigungen waren eine spielerische Schulung der gemeinsamen und kreativen Förderung für das spätere Leben. Eine wirklich gute Idee und es hat allen Spaß gemacht, denn für unseren Gruppenleiter Berthold und seinen Helfern Heike Jacobs und Oliver Schönfelder waren es gleichermaßen Erfolge, da das, was sie sich für uns ausdachten doch großen Spaß brachte und wir sogar etwas zu Hause den Eltern zeigen konnten.

Nachdem wir uns soweit gut kennen gelernt hatten, dachte Berthold über Pfadfinder-Ferientouren nach. Es wurden z. B. Radtouren nach Bissel und Friesoythe, Busfahrten nach Kloster Malgarten (Jugendherberge in Bramsche) organisiert und später nach Zeven zum Zeltlager. Leider kann ich nur von einem Pfadfinderlager in Zeven berichten (es gab ein Weiteres im nächsten Jahr), denn ich bin nur auf zwei Fahrten insgesamt mit dabei gewesen und die Fahrt nach Zeven ist mir am Besten in Erinnerung geblieben.

Wir fuhren mit dem Bus von Oldenburg nach Zeven. Dort trafen auch noch mehr Pfadis aus OL und Umgebung ein und es wurden 3 Lager mit je ungefähr 60 Kindern/Jugendlichen aufgeteilt. Das Lager der Indianer, der Desperados (lt. Duden = Abenteurer od. auch Bandit) und der Siedler. Wir stellten unsere Koten und Jurten so auf, dass Mittelpunkt des jeweiligen Lagers eine Lagerfeuerstelle war, und wir dort herum sitzen konnten. Beköstigt wurden wir in Zeven von dem holländischen Militär. Sie brachten Frischwassertanks und Umkleide- und Waschzelte. Wir hatten ein Küchenzelt und es wurde ein Donnerbalken gebaut und eine Grube für die Donnerei gegraben . Der Donnerbalken wurde sogar wie eine Toilette mit Balken eingezäunt.

Jeden Morgen vor dem Frühstück sind wir auf einer großen Wiese, die der Mittelpunkt der drei Lager waren, zusammengekommen. Dort wurden Lieder gesungen, unsere Pfadfinderbanner aufgezogen und wir beteten auch.

Die Planung für den Tagesablauf wurde dort angekündigt, am Abend trafen wir uns wieder auf der Wiese und dann wurde die Nacht eingeläutet. Oft wurde es echt spät, denn 60 Kinder und Jugendliche zur Ruhe zu bekommen, war bestimmt keine Leichtigkeit. Denn es waren auch 4- und 5jährige Kinder dabei, die zwischendurch Heimweh bekamen. Mein Bruder lief am Tage mit den Kindern an der Hand und versuchte sie abzulenken und zu trösten. Was meistens gelang.

Die holländische Wehrmacht kam zwischendurch, und wir konnten auf den Ladeflächen der LKW’s zu irgendwelchen Besichtigungen oder zum Schwimmen in das Schwimmbad der Kaserne gefahren werden. Das war immer eine riesige Sache, denn wir sangen viel und laut auf diesen Wagen; es war immer gute Stimmung dabei. Zumal wir ja nicht nur auf einem Wagen saßen. Schließlich wurde das nicht nur für ein Lager organisiert, sondern immer für alle und es passten nicht alle Pfadfinder und die, die es noch werden wollten, in nur einen Wagen hinein.

Nach ein paar Tagen auf dem Lager wurde von den Indianern das „Kriegsbeil“ ausgegraben. In der NACHT!!! Das war eine spannende Angelegenheit, denn die Siedler und auch die Desperados mussten sich gegen die Indianer behaupten. Es wurden sogar „Gefangene“ genommen und am nächsten Abend wurden die Gefangenen wieder ausgelöst, und das Kriegsbeil wurde nach tüchtigen Verhandlungen wieder vergraben. Das war ein aufregendes Erlebnis.

Dann kam nach einer Woche die Magen-Darm-Grippe in die Lager. Uuuuuiiiih, kann ich sagen, das war echt übel. Bei so vielen jungen Menschen mussten sämtliche Klamotten und auch die Menschen gewaschen werden, weil nichts mehr in Magen und Darm blieb. Auch eine urige Erfahrung. Man kann aber gerne drauf verzichten.

Toll war damals, dass wir eine Tante von uns mit hatten, die von allen 180 Menschen einfach Tante Liesel genannt wurde und die eigentlich die Mutter der gesamten Lager war. Sie kümmerte sich darum, dass alle wirklich etwas zu essen bekamen, sie behandelte kleinere Wunden und auch Heimweh.

Noch heute, wenn man irgend jemanden von DAMALS trifft, kommt unweigerlich das Thema irgendwie immer wieder auf DAS LAGER von ZEVEN. Noch heute leuchten die Augen, wenn wir uns darüber unterhalten und es ist toll, was jeder noch für Erinnerungen daran hat. Es fallen einem Namen von den Leuten ein, die man Jahrelang gar nicht mehr gewusst hat und man fühlt sich prompt wieder in diese Zeit mit den Erlebnissen versetzt. Einfach super.

Tja, von den sogenannten politischen Aktionen, von denen viele Leute reden, wenn es um Pfadfinder geht, haben wir in keiner Weise etwas mitbekommen. Für uns waren es immer tolle Abenteuer und Spiele, an denen wir eben heute noch in unserer Erinnerung Freude haben. Eben eine tolle Zeit und unbeschwerte Kindheit.

Hoffentlich hat Euch mein kleiner Bericht gefallen und vielleicht wollt Ihr heute ja Eure Kinder in einer Pfadfindergruppe haben. Dies würde ich in jedem Fall empfehlen, denn Pfadfinder sind noch Menschen mit Sinn für die Natur, denn ohne die Natur würde man nicht zum Pfadfinder werden. Außerdem lernt man einfach wichtige Eigenschaften für das spätere Leben und für Später ist die Erinnerung an diese Zeit einfach noch ein toller Traum und doch ist es ja einmal gewesen.

Kleiner Akt und großer Schritt

Die Fusion der evangelischen PfadfinderInnenbünde zum VCP

Die Umsetzung und Auswirkung des Beschlusses, dessen Inhalt in der nüchternen Sprache des vorstehenden Auszugs aus dem Protokoll vom 09./10.03.1974 festgestellt wurde, war für unsere Pfadfinderarbeit damals ein sehr bedeutender Schritt, der, so aus heutiger Sicht gesehen, jedoch längst fällig war.

Als ich zur Vorbereitung dieser Zeilen in mein persönliches „CPD/VCP -Archiv“ eingestiegen bin und das Protokoll über die Fusion der Verbände CPD und EMP im Lande Niedersachsen nach nun fast 30 Jahren wieder gelesen habe, wurde die damalige Zeit wider lebendig.

In vorhergehenden gemeinsamen und auch getrennten Sitzungen auf der Ebene des Landesrates und der Landesversammlung beider Verbände wurde die am 09.03.1974 beschlossene Fusion des EMP und der CPD vorbereitet. An vielen dieser Sitzungen und Versammlungen habe ich teilgenommen, daher sind mir die oft endlosen Diskussionen, des Öfteren bis in die Nacht hinein, noch in guter Erinnerung. Es gab viele Steine aus dem Weg zu räumen im Hinblick auf die zukünftige Arbeit des VCP.

Als dann in den späten Abendstunden des 09.03.1974 die Stimmberechtigten (und ich) beider Verbände nach der positiven Abstimmung in der Kapelle des Sachsenhains nach einem gemeinsamen Gebet mit einem Glas (Pappbecher) Sekt auf das Gelingen einer neuen Zukunft angestoßen haben, war dies für die Arbeit des neuen VCP in Niedersachsen, im damaligen Bezirk Hunte und somit auch im Stamm Ponteburg (jetzt Stamm Kranich) in Oldenburg ein bedeutendes und denkwürdiges Ereignis.

Oldenburg, den 25. Juni 2003 Peter Wegener

Pfadfinderarbeit in den 70er

Pfadfinderarbeit und politisches Bewusstsein: Die 70er Jahre

Ein Jugendverband wie der VCP hat ja vorrangig keine ausgesprochen politische Zielrichtung, wohl aber eine Weltanschauung, die aus seiner Geschichte und seiner Einbettung in die jeweiligen gesellschaftlichen Umstände resultiert. Das zeigt sich nicht zuletzt an der Vielzahl der verschiedenen großen und kleinen Pfadfinderverbände, die sich vor allem in weltanschaulichen Fragen unterscheiden: Da gibt es die Modernisierer und die Traditionalisten, diejenigen, die Arbeit in sozialen Brennpunkten machen, und diejenigen, denen das Fahrtenerlebnis wichtig ist.

Als ich (mehr zufällig) bei den Pfadfindern landete, gab es noch die CPD (Christliche Pfadfinderschaft Deutschlands). Kurz darauf fusionierte sie mit der EMP (Evangelische Mädchenpfadfinder) zum VCP. Das Lilienzeichen änderte sich, die Kluft änderte sich, alles änderte sich. Vor allem die Atmosphäre und damit die Themen änderte sich. Und das lag nicht nur daran, dass ich selber älter wurde und als Jugendlicher und Gruppenleiter einen anderen Blickwinkel bekam, sondern ganz bestimmt auch daran, dass der Verband insgesamt von einer Aufbruchstimmung erfasst wurde, die damals ziemlich quer durch die gesamte Gesellschaft ging. Der VCP entwickelte sich eindeutig zu einem der „Modernisierer“ unter den Pfadfinderbünden.

Fragen der Pädagogik erhielten mehr Gewicht, demokratische Entscheidungsstrukturen wurden eingeführt, soziale Fragestellungen rückten in den Vordergrund und nicht zuletzt der Sprachgebrauch änderte sich: Aus dem Gau Hunte wurde der Bezirk Oldenburg, aus dem Stamm Ponteburg der Ortsverband Oldenburg, aus Sippen Gruppen. Es interessierten sich nur noch relativ wenige dafür, wie man einen Palstek korrekt schlägt und die Kluft wurde – wenn überhaupt – nur vereinzelt angezogen (das wurde allerdings auch dadurch erleichtert, dass sie eigentlich ziemlich pottenhässlich war).

Natürlich verliefen diese Entwicklungen nicht gleichförmig; dafür war der VCP als großer Verband viel zu heterogen, als dass nicht genügend Raum für andere Auffassungen geblieben wäre. Bundeslager 1978 im Hunsrück: Da gab es die Leute aus Hessen, die machten morgens einen Fahnenappell und zogen beim Absingen der Nationalhymne die Deutschlandfahne auf. Und dann gab es die Hamburger, die hatten auf ihrem Büchertisch den „Arbeiterkampf“ ausliegen. Und das alles innerhalb eines Verbands und selbstredend mit heftigen Diskussionen darüber, aber ohne dass einer abgezogen wäre. Der VCP bot für beides den Rahmen.

Die gemeinsame Klammer war schließlich nicht ein einheitliches Verständnis von Progressivität, sondern die Herkunft als evangelischer Jugendverband. Dass man diese Tatsache unterschiedlich interpretieren konnte, lag in der Natur der Sache. Auch bei Kirchens regte sich schließlich was, es gab da durchaus zunehmend Leute, die die Dinge beim Namen nannten und an die hielten wir uns.

Selbstverständlich habe ich damals nur einen sehr begrenzten Ausschnitt mitbekommen und kann mich im Grunde genommen nur zur Situation im VCP Oldenburg äußern. Dennoch: Überall dort, wo der Blick über den Tellerrand hinaus ging, zeigten sich ähnliche Tendenzen. Ein Beispiel: November 1976, VCP-Landeskongress im Sachsenhain, Arbeit in Arbeitsgruppen. Habe gerade eben im Physikunterricht gelernt, dass man mit einem schnellen Brüter das Periodensystem rauf- und nicht runterklettern kann und dass das ganz toll ist, weil man damit alle zukünftigen Energieprobleme löst. Das war´s auch schon mit schulischem Hintergrundwissen. Ich entschließe mich deshalb dazu, in die AG “Atomkraft“ zu gehen. Kurze Diskussion, wir beschließen, das übliche Arbeitsgruppengesabbel bleiben zu lassen und nach Brokdorf zu fahren, da ist nachmittags eine Anti-AKW-Demonstration. Für meine erste kritische Annäherung an ein komplexes Thema war das schon ziemlich starker Tobak: Weiträumige Straßensperrungen, festungsartiger Ausbau der Baustelle, Hubschrauber die Tränengasgranaten über der Menge abwerfen. Wir halten uns ziemlich im Hintergrund, kommen gar nicht erst in den Bereich der Wasserwerfer, trotzdem kriegen wir genug mit: Wir verarzten notdürftig Platzwunden anderer Teilnehmer, versuchen beim Atmen möglichst wenig Tränengas mitzubekommen. Dieser Tag wird später die „Schlacht um Brokdorf“ genannt werden. Abends fahren wir dann ziemlich bedröppelt zurück nach Verden. Die Diskussionen drehen sich überhaupt nicht mehr um Atomkraft, sondern nur noch darum, was das gerade Erlebte im Demokratieverständnis eines jeden Einzelnen verändert hat.

So etwas kommt danach nicht wieder, aber das Bewusstsein ist geweckt: Warum sind die Dinge so wie sie sind und stellen sie wirklich den bestmöglichen aller Zustände dar? Warum sollte man das nicht ändern können und wie kommt man dahin? Nachfragen und Diskutieren gehört danach genauso zur Pfadfinderarbeit wie andere Dinge.

Ob wir damals im VCP politisch waren? Klar, auf irgendeine Weise schon. Wach zumindest, mit kritischen Standpunkten. Bei der Frage, wie viel von damals übrig geblieben ist, so fällt eine Bewertung natürlich schwer und ich muss aufpassen, nicht in Klischees zu verfallen („unsere Nachfolger waren im Vergleich zu uns …“). Logisch sind die Generationen nach uns wieder in einem anderen gesellschaftlichen Klima aufgewachsen und haben andere Schwerpunkte gesetzt. Einfacher fällt die Antwort bei uns selber aus: Wenn ich mir heute so angucke, was aus uns geworden ist, so muss diese Zeit schon ein gewisses Maß an politischem und sozialem Bewusstsein bei uns hervorgerufen haben. Als Indikator dafür nehme ich mal die Berufswahl: Erstaunlich viele haben sich für Tätigkeiten im sozialen, pädagogischen oder theologischen Bereich entschieden. Irgendwoher muss das ja kommen. Und daran ist nur der VCP Schuld.

Gerd Reesas, Bremen

Pfadfinderkultur in den 70er

Nach der 68er Bewegung begannen auch bei den Pfadfindern eine Reihe von Veränderungen und Abkehr von alten Begriffen und Wertevorstellungen.

Die Pfadfinder, so wie einst 1904 von dem Urscout B.P. (Baden-Powel) gegründet, kamen auf den Prüfstand der Zeitgeschichte.

– Die „Stände“ wurden abgeschafft. Das waren die Ränge oder Dienstgrade der Pfadfinder. Die Späher, Knappen und Ritter wurden „Jungpfadfinder“ und „Pfadfinder“.

– Die „Proben“, welche gelernt und nach einem Wissenstest im Probenbuch als Nachweis festgehalten wurden, wieviel der Pfadfinder weiß, um seinen „Stand“ festzustellen (Späher, Knappe, Ritter) wurden abgeschafft. So gab es nur noch unter 10 Jahren die Wölflinge, zwischen 10 und 12 Jahren, die Jungpfadfinder, zwischen 12 und 14 Jahren, die Pfadfinder, danach die Rover und Ranger.

– Der Begriff „Gau“ wurde umgewandelt in „Bezirk“.

– Der „Stamm“ nannte sich nunmehr Ort.

– „Sippenführer“ wurden „Gruppenleiter“,

– „Stammesführer“ wurden „Ortsleiter“,

– „Gauführer“ wurden „Bezirksleiter“.

– „Stammesting“ und „Gauting“ wurden „Orts- und Bezirksversammlung“.

Obwohl die alten Begriffe tausende von Jahren, von den Germanen bis in unsere Zeit gebräuchlich waren, wurden sie durch nur 12 Jahre mieser deutscher Geschichte so stark verunglimpft, dass sie nicht mehr gewollt waren.

In diesem Zuge der Veränderungen kamen viele auf den Gedanken, auch die „Kluft der Pfadfinder“ als optisches Zusammengehörigkeitsmerkmal als Uniform abzulehnen und abzuschaffen.

Es gab Spaltungen und Veränderungen bei den Pfadfindern. So geriet auch der alte Oldenburger Stammesname „Stamm Ponteburg“ in Vergessenheit. Es gab nur noch den Ort Oldenburg, der sich in den 90er Jahren auf Tradition besann und den Stamm Kranich gründete.

Wir, die Pfadfinder der 70er Jahre versuchten trotz allem einen sinnvollen Weg zwischen der alten und neuen Zeit einzuschlagen.

Nach dem Beschluß zur Fusion von Mädchen- und Jungenpfadfindern, begann für uns eine neue Zeit, die dem Pfadfindertum neue Aspekte lieferte. Die Mädchen brachten einen frischen Wind und somit eine neue Kultur in unsere Jungenwelt. In den Gruppenstunden wurde mehr gesungen, getanzt, gemalt und gedichtet und nicht mehr so viel Messer werfen und Bogen schießen und ähnliches geübt.

Gemeinsam führten wir unsere Fahrten wie eh und je durch. Mindestens ein Pfingst-, ein Sommer- und ein Herbstlager standen auf dem Programm sowie verschiedene Wochenendfreizeiten, und diese hatten meistens ein Motto, z. B. „Die Wikinger“, „Besiedlung des Wilden Westens“ usw.

Ein normaler Tagesablauf gestaltete sich wie folgt:

07.00 Uhr Wecken und Waschen

07.45 Uhr Morgendliche Lagerrunde mit Wimpel Aufziehen, einem Morgenlied

und Verkündung des Tagesprogramms

08.00 Uhr Frühstück

09.00 Uhr Programmbeginn mit evtl. verschiedenen Arbeitsgruppen (z. B. fotografieren und Bilder entwickeln, malen, singen, Lagerbauten, Seile drehen u. v. m.)

12.00 Uhr Mittagessen (je nach Unterbringung hatte vorher eine Gruppe „Küchendienst“ oder wir wurden zentral versorgt.)

13.00 Uhr Mittagspause – zur freien Verfügung

14.00 bis 18.00 Uhr Programmfortführung, danach Abendbrot, dann je nach Bedarf Programmfortführung bzw. Freizeit für die 10- bis 14jährigen Pfadfinder/innen.

Für die Wölflinge gab es von 20.00 bis 21.00 Uhr Geschichten Vorlesen oder Singen am Lagerfeuer mit Kinder-Tschai, um 21.00 Uhr Bettruhe.

Für die älteren Pfadfinder/innen ging die Lagerfeuerrunde weiter bis 22.00 Uhr.

Dann war Nachruhe angesagt!?! 😉

Zu jeder Malzeit wurde ein Tischgebet gesprochen.

Auf jedem Lager war mindestens eine Nachtwanderung angesagt und/oder es wurde ein Haig durchgeführt, Tagesausflüge zu Sehenswürdigkeiten organisiert und alles was sonst noch Spaß macht (schwimmen gehen, bolzen, einfach rumtoben).

Sonntagmorgens war der Gottesdienst in der ortsansässigen Kirche üblich.

Für diejenigen, welche eine andere Konfession hatten oder wer nicht daran teilnehmen wollte, wurde eine Lagerrunde durchgeführt mit besinnlichen Themen und Liedern.

Die selbstgestalteten Andachten fanden bei allen Pfadfindern großen Anklang, weshalb die Schar der Kirchgänger oft recht klein war.

Hin und wieder konnten wir auch einen Pastor dazu bewegen, den Gottesdienst in unserem Zeltlager durchzuführen.

Ich stelle erfreut fest, dass auch nach 25 Jahren passiven Pfadfindertums die Tradition wieder angesagt ist. Die Pfadfinder tragen wieder Kluft!

Durch die Gründung des Eltern- und Freundeskreises, auf Initiative des ehemaligen Stammesführers Konstantin Schrader und der jetzigen Stammesführerin Gesa Neugebauer, freue ich mich, von dieser Seite die Pfadfinder zu unterstützen und gleichzeitig damit aktiver Pfadfinder zu sein.

Mit einem herzlichen „Gut Pfad“ an alle Pfadfinder/innen, Pfadfindereltern und Ehemalige

Berthold Bergner

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